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Claudia Bohnenstengel und Josefh Delleg:
Geschlossene Gesellschaft

2. bis 14. November 2010

"...und auch die Arbeit von Claudia Bohnenstengel und Josefh Delleg enthält Aspekte von loops.
Geschlossene Gesellschaft, das Projekt im Erdgeschoss.
Erlauben Sie mir einen kurzen Exkurs zur Etymologie des Worts Gesellschaft. Das Herkunftswörterbuch belehrt uns, dass sich Gesellschaft von "Geselle" herleitet. Geselle wiederum hängt mit althochdeutsch "Saal" zusammen, das sich ableitet aus dem germanischen "salaz", der Bezeichnung für das - aus einem Raum bestehende - Haus der Germanen. Ein "Geselle" ist demnach einer, "der mit jemandem denselben Saal (oder "Wohnraum") teilt". Abgeleitet davon wandelte sich die Bedeutung des Worts "Geselle" und wurde zu "Freund, Gefährte, Geliebter, junger Bursche, Standesgenosse". Eine Gesellschaft ist somit im mittelhochdeutschen noch eine "Vereinigung mehrerer Gefährten, ein freundschaftliches Beisammensein, Freundschaft, Liebe, Gesamtheit der Gäste, Handelsgenossenschaft". Erst seit dem 15. Jahrhundert wird das Wort auch auf die soziale Ordnung der Menschheit bezogen.
In einem Saal, der uns nicht zugänglich ist, befindet sich die "geschlossene Gesellschaft". Ein Bildschirm im Nebenraum lässt uns Einblick nehmen ins Geschehen nebenan: Wir sehen, wie Menschen am Tisch sitzen und essen. An der Stirnseite des Tisches ist ein Monitor angebracht: Ein Film läuft, eine Ratte rennt im Hamsterrad, eine Endlos-Schleife.
Die Szene ist kurz, die Szene wiederholt sich mit wechselnden Protagonisten, eine Endlos-Schleife.
Die Geräusche, die aus dem geschlossenen Raum nach Nebenan dringen, wo wir uns niederlassen können und an einem kleinen Zweiertisch Suppe serviert bekommen, diese Geräusche von Nebenan suggerieren, dass die Gesellschaft dort im Moment tafelt.
Wir sind ausgeschlossen. Wir dürfen und können nicht teilhaben an der Geselligkeit. Es gibt welche, die dazugehören, die drin sind, die "in" sind – wir sind draußen, sind "out", gehören nicht dazu. Wir werden am kleinen Tisch abgespeist.
Und da weist das Projekt "Geschlossene Gesellschaft" aus dem Bahnwärterhaus natürlich hinaus ins große Gesellschaftliche: Die am Rand können nicht teilhaben, wird uns vermittelt. Die an den Rändern werden ausgegrenzt, die Gesellschaft schottet sich ab, Europa macht die Grenzen dicht, wer nicht drin ist wird auch nie reinkommen.
Es geht aber auch auf anderen Ebenen um Gruppenzugehörigkeit: Im Flur stehen in einem Regal Gläser, rot verfremdet, schön aufgereiht: ein Bild für's bürgerliche Repräsentieren. Man zeigt, was man hat. Wenn es die richtige Marke ist, die man vorzuweisen hat, gehört man dazu, zum Grüppchen, zum Kreis, zur Society, zur entsprechenden Gesellschaft.
 
Claudia Bohnenstengel und Josefh Delleg verbindet eine lange Freundschaft. Neben der Kunst teilen die beiden die Liebe zum Kochen und zum gemeinsamen Essen.
Die Zubereitung von Mahlzeiten darf als kultureller Akt angesehen werden, das gemeinsame Essen als genussvolles Erleben von Geselligkeit.
So ist es auch zu verstehen, dass "Essen" als Thema nochmals auftaucht: Im Keller ist ein Video-Film von Josefh Delleg zu sehen, der eine wiederkäuende Kuh zeigt. Ein schönes Tier, anrührend, begleitet von Choralgesängen weiblicher Stimmen."

aus der Einführung von Gaby Burckhardt

Fotografie Rita Gotthold, Josefh Delleg, Claudia Bohnenstengel ©

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Kunstverein artgerechte Haltung Bildende Künstler Esslingen e.V. zu Gast im Bahnwärterhaus, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar

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